„InterWhisky 2012“: Zwei Stunden anstehen und völlig überfüllte Location

Über zwei Stunden Anstehen für Whiskyfeeling.

Zunächst die gute Nachricht: Die Zahl der Whisk(e)y-Genießer steigt. Die schlechte Nachricht: Darauf hatte sich der Veranstalter Christian H. Rosenberg, Geschäftsführer der Medienbotschaft Verlag & Events GmbH mit Sitz im schweizerischen Tägerwilen, nicht eingestellt. Gutgläubig könnte man sagen, er sei von dem Besucherandrang überrascht worden. Seine Mission, die „InterWhisky“ nicht mehr im Frankfurter „Interconti“ abzuhalten, sondern in das schmucke Thurn & Taxis-Palais inmittten der pulsierenden Innenstadt zu verlegen, weil es da für die Veranstalter mehr Ausstellungsfläche gebe, hörte sich zunächst gut an. An die Besucherströme dachte er dabei wohl nicht, denn der Zulauf war größer denn je und eigentlich hätte der große Ausstellungsraum im Keller des Palais vorübergehen geschlossen werden müssen, weil es auf Grund der Besuchermassen kein vor und kein zurück mehr gab.

Wer am Samstag gegen 14 Uhr gut gelaunt und froher Erwartung Richtung Große Eschenheimer Straße spazierte, fand sich plötzlich inmitten einer Menschenansammlung, die auf etwas ganz Besonderes zu warten schien. Viele liefen an der langen Schlange vorbei, weil sie ja nicht warten, sondern in das Palais zur „Interwhisky“ wollten. Spätestens vorne, am Hofeingang zum Palais, stockte so manchem dann der Atem: Die Menschen, die da in einer über 400 Meter langen Schlange auf dem Gehsteig anstanden, taten das nicht, weil vielleicfht Robbie Williams eine Autogrammstunde gab, sondern weil sie gerne die „InterWhisky“ besuchen wollten. Und wer dachte, da vorne am Eingang zum Hof des Palais habe das Warten auf den Einlass ein Ende, der täuschte sich, denn wer vorne um die Ecke sehen konnte, hatte zwar einen schönen Blick auf das herrliche Gebäude, das da zwischen der Architektur der Moderne und der Romantik des Barock steht, er musste aber feststellen, dass die Schlange der Wartenden von diesem Standpunkt aus noch mal etwa 100 Meter lang war. Minutenlang war kein Vorankommen möglich. Alle zehn Minuten ging es zwei Schritt vorwärts. Auch diejenigen, die Onlinekarten gebucht hatten, standen bis kurz vor dem Eingang in der Schlange. Logisch, dass da Unmut aufkam, viele gar umkehrten und sich lieber auf der ebenfalls völlig überfüllten Zeil den Kick gaben.

Im Innenhof des Palais gab es dann wenigstens einen Bierstand, der besten Umsatz machte, weil die Leute vom langen Anstehen durstig waren. Und als man auf Seiten des Veranstalters bemerkte, dass so viele Leute sich die Füße in den Bauch stehen, spazierten zwei Mitarbeiter in Kilts mit einem Tablet leicht gefüllter Whiskygläser im Innenhof umher und verteilten einige Geschmacksmuster. Das hätten sie mal an die verteilen sollen, die noch immer auf dem Gehsteig vor dem Palais standen und auf die Organisation der Messe schimpften. Viele Whiskyfans, die nicht extra wegen der Messe von München, Hamburg oder gar aus dem Ausland angereist waren, hatten nach gut zwei Stunden anstehen genug und drehten  verärgert ab. Kommentare wie „nie mehr“, „schlechter organisiert als die Deutsche Bahn“ waren da zu hören.

Der Veranstalter hatte sogar im Radio noch Werbung für die Messe gemacht, vielleicht weil er dachte, einige Whiskyfans würden aus Tradition wieder das „Interconti“ ansteuern. Das hatte wohl dazu geführt, dass einige Leute mehr auf die Idee kamen, ihren Samstag Nachmittag mal auf einer Whiskymesse zu verbringen. Werbung sollte also nicht unterschättzt werden!

Wer es bis in den Innenhof des herrlichen Barockgebäudes geschafft hatte (ab dem Eingang in den Innenhof schritt man auf einem roten Teppich langsam vor sich hin), stand dann weitere 30 Minuten vor sich hin. Bei Fußballspielen wäre es mit Sicherheit schon zu Tumulten gekommen, aber Whiskyfans scheinen gemäßigt. Vielleicht auch, weil sie von all den Whiskys träumten, die sie auf der Messe kosten können. Am Eingang, wo im Abstand von zehn Minuten jeweils vier Personen zur Kasse durchgelassen wurden, erzählte dann der Wachmann, dass der Veranstalter „etwas überfordert mit dem Andrang“ sei. Indes kamen einige Messebesucher wut entbrannt wieder heraus und schimpften über das, was sich im Keller des Gebäudes abgspielte. Es sei eine Unverschämtheit, dass man so viele Leute da reinlasse, man käme keinen Schritt voran, weil alles überfüllt sei. Andere, die herauskamen sprachen von einer „miserablen Organisation“.

Wer es geschafft hatte, bis zu Kasse vorzudringen (nur mit zwei Frauen besetzt), bekam den nächsten Schock, als er im Keller den Veranstaltungsraum betrat: Kein Durchkommen, nirgends! Links und rechts oben auf den beiden ca. einen Meter breiten Galerien ging ebenso nichts voran, wie auf dem Parkett. Platzangst durfte man nicht haben, Geduld mehr als genug. Viele gaben es auf, den Whiskystand aufzusuchen, auf den sie sich gefreut hatten, weil das Geschiebe einfach nur grausam war. Der Genuss blieb völlig außen vor und das für stolze 15 Euro Eintritt, den jeder Whiskyfan berappen musste. Auch das schöne Ambiente mit großen Kronleuchtern an der Decke konnte da nicht besänftigen. Die Luft stand im Raum, allenfalls der Duft verschüttenen Whiskys auf Jacken und Pullover ließ etwas Atmosphäre aufkommen. Genuss kam da erst gar nicht auf. Es nützt eben auch das schönste Ambiente nichts, wenn die Besuchermassen ein Genießen erst gar nicht möglich machen. Man mag dem Veranstalter zu Gute halten, dass er selbst nicht mit so einem Ansturm gerechnet hatte, die Konsequenz Vieler wird es aber sein, dass sie sich so etwas nicht wieder antun. Warum nicht in eine der Frankfurter Messehallen ausweichen? Whisky schmeckt den echten Fans auch ohne roten Teppich. Da lobe ich mir „The Whisky Fair“ in Limburg, wo guter Whisky, auch von kleineren Brennereien, in fast familiärer Atmosphäre genossen werden kann. Nächster Termin für die „Whisky Fair“ ist übrigens am 27. und 28. April  2012.                                               Volker Vogel

1 Comment

  1. Ich habe mich auch geärgert, auf die Messe gegangen zu sein. Wollte nach ner Stunde eigentlich schon wieder abdrehen, aber wenn man schon mal da ist… wir waren drei Stunden im Auto vorher und dann noch dieses Anstehen! Ein nächstes Mal wird es mit uns nicht geben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*