So ist das mit dem Wein beim Discounter

Eine Sendung im ZDF über Wein? Das hat Seltenheitswert, noch dazu, wenn es irgendwie investigativ klingt: „Günstiger Wein vom Supermarkt“. Die Erwartungshaltung ist da schon hoch, schließlich ist das mit dem Weinangebot in Supermärkten und Discountern so eine Sache. Der Sendetermin? 23.15 Uhr, eine äußerst schlechte Zeit für eine solche Reportage. Das Thema interessiert nur die, die entweder mit Wein zu tun haben, oder gerne mal einen trinken. Diejenigen, die sich die Herstellung des Billigweins wirklich einmal ansehen sollten, zappen woanders hin.

Auf RTL läuft „SternTV“ in der ARD diskutiert Anne Will mit ihren Gästen über den Tod. So gesehen ist die ZDF-Reportage das geringere Übel. Der Autorin mag es zwar noch nicht so klar sein, dass es da immer noch einen Unterschied zwischen Supermarkt und Discounter gibt, aber das ist nebensächlich. Voller Spannung bleibt man da wach, obwohl einem nach einem anstrengenden Tag fast die Augen zufallen. Und dann? Informationen, die Leute schon kennen, die sich etwas intensiver mit der Materie beschäftigen. Investigativ wohl nur in den Augen derer, die tatsächlich immer zum billigsten Wein in den Regalen greifen. Die wissen jetzt – wenn sie den Film überhaupt gesehen haben – wie es kommt, dass der Wein so billig sein kann bei Aldi, Lidl & Co. Und die wissen jetzt, dass das doch gar nicht schlimmt ist und dieser Billigwein trotzdem schmecken kann, wenn selbst Fachleute beim Blindkosten nicht herausfiltern können, was nun der billige und was der teurere Wein ist. Ein Lichtblick in dieser halbstündigen Reportage: Winzer Lukas Krauß , der gute Gründe hat, warum sein Wein eben mal 10,50 Euro die Flasche kostet und nicht 1,99 Euro.

Fazit: Eine Reportage, von der man sich etwas mehr erwartet hat, die aber solide recherchiert war. Vielleicht hat der Film ja etwas dazu beigetragen, dass die Discounter-Weinkäufer bei ihrem nächsten Weineinkauf etwas mehr überlegen. Aber das ist wohl zu viel verlangt…

Übrigens: Dirk Würtz hat sich auch seinen Reim gemacht über die Sendung. Lesenswert, hier klicken

2 Comments

  1. Meiner Ansicht nach hat der Filmbeitrag schon aufgezeigt, wie wir Verbraucher uns von der Weinindustrie hinters Lichter führen lassen. Ich bin dafür, dass auf jeder Flasche Wein – wie beim Bier – alle Inhaltsstoffe aufgeführt werden müssen. Es ist noch immer so, dass viele Winzer auch Kupfer verwenden. Das kann bei Allergikern evtl. sogar zu Anfällen führen, auch wenn die verwendete Menge noch so gering ist. Aber welcher Winzer wird wohl so ehrlich sein und die Zugabe von Kupfer zugeben?

  2. Eigentlich müsste jedem bewusst sein, was er zu erwarten hat, wenn er einen Billigwein kauft. Aber wahrscheinlich sind die Geschmacksempfindungen der entsprechenden Käufer nicht so ausgebildet, dass sie spüren, was Schrott ist und was nicht. Einen guten Wein für 1,99 Euro oder 2,99 Euro kaufen, ist völlig unmöglich. Wer so etwas macht, sollte lieber Bier trinken.

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